Es gibt eine Art von Stille, die sich anders anfühlt als normale Stille.
Du gehst ins Zimmer und dein Baby reagiert nicht. Du sprichst es an und nichts passiert. In diesem Moment friert alles ein, und gleichzeitig muss irgendetwas in dir übernehmen.
Dieser Artikel zur Wiederbelebung beim Baby ist für genau diesen Moment. Nicht damit du ihn auswendig lernst, sondern damit der Plan schon einmal in deinem Kopf war, bevor du ihn brauchst. Denn was in diesen ersten Minuten passiert, zählt.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Schritte der Wiederbelebung beim Baby für Laien. Er ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs und keine ärztliche Beurteilung. Im Notfall immer zuerst 112 wählen. Die Leitstelle leitet dich Schritt für Schritt durch die Maßnahmen.
Inhaltsverzeichnis
- Woran du erkennst, dass dein Baby wiederbelebt werden muss
- Zuerst 112, Lautsprecher an
- Die fünf Beatmungen zuerst
- Herzdruckmassage beim Baby
- 30 Drücken, 2 Beatmen, immer weiter
- Was danach passiert
Woran du erkennst, dass dein Baby wiederbelebt werden muss
Der erste Schritt ist eine Überprüfung, die wenige Sekunden dauert und alles entscheidet.
Sprich dein Baby klar an. Berühre es am Oberarm, sanft aber deutlich. Nicht schütteln.
Keine Reaktion? Leg das Baby sofort flach auf eine feste, stabile Unterlage. Auf dem weichen Sofa oder einer Matratze lässt sich keine wirksame Herzdruckmassage durchführen. Kleidung öffnen, damit du den Brustkorb sehen kannst.
Dann: Kopf behutsam in die Neutralstellung bringen. Kinn leicht anheben, sodass die Atemwege frei sind. Nicht überstrecken wie bei einem Erwachsenen, der Hals eines Babys ist weicher und ein Überstrecken würde die Atemwege wieder einengen.
Atmung prüfen, maximal zehn Sekunden: Beobachte, ob sich der Brustkorb hebt. Halte dein Ohr über Mund und Nase des Babys. Kannst du Atemgeräusche hören oder Luftzug auf deiner Wange fühlen?
Ein wichtiger Punkt, weil er viele verwirrt: Schnappatmung ist keine normale Atmung. Wenn das Baby unregelmäßige, abgehackte oder scheinbar krampfhafte Atemzüge macht, gilt das als kein Atemzeichen und ist ein Notfall. Sofort mit der Reanimation beginnen.
Atmet das Baby normal? Dann stabile Seitenlage, Atmung weiter beobachten und 112 wählen.
Zuerst 112, Lautsprecher an
Wähle 112, sofort. Schalte den Lautsprecher ein und leg das Handy neben das Baby, damit du beide Hände frei hast.
Was du der Leitstelle sagst: Herzstillstand beim Baby, deine Adresse, dein Name. Dann hörst du zu und folgst den Anweisungen. Die Leitstelle begleitet dich durch jeden einzelnen Schritt, auch durch die Beatmung und die Herzdruckmassage. Du musst das nicht allein können.
Wenn du allein bist und kein Handy in Reichweite liegt: Führe zuerst etwa eine Minute CPR durch. Dann unterbreche kurz für den Notruf und beginne danach sofort wieder. Eine Minute ist ungefähr zwei vollständige Zyklen aus Beatmungen und Herzdruckmassage.
Die wichtigste Botschaft dieses Abschnitts: Niemand muss das allein können. Die Leitstelle ist dabei, vom ersten Moment an.
Die Notfall-Soforthilfe-Karte fasst die wichtigsten Handgriffe auf einer Seite zusammen. Einmal ausdrucken, sichtbar aufhängen, und du weißt im Ernstfall sofort, wo du hinschaust.
Die fünf Beatmungen zuerst
Bevor die Herzdruckmassage beginnt, kommen beim Baby fünf Beatmungen. Das ist der Unterschied zur Erwachsenen-Reanimation und er ist wichtig.
So geht es:
Halte den Kopf des Babys in der Neutralstellung, Kinn leicht angehoben. Dann legst du deinen Mund fest über Mund und Nase des Babys zusammen. Alles muss abgeschlossen sein, keine Luft darf seitlich entweichen.
Dann atmest du sanft und gleichmäßig aus, etwa eine Sekunde lang. Nur so viel, bis sich der Brustkorb des Babys sichtbar hebt. Nicht mehr. Die Lunge eines Babys ist klein, zu viel Luft wäre schädlich.
Fünf solcher Beatmungen nacheinander.
Hebt sich der Brustkorb bei einer Beatmung nicht? Korrigiere die Kopfstellung, prüfe den Abschluss mit deinem Mund und versuche es erneut. Wenn der Brustkorb sich nach einer Korrektur immer noch nicht hebt, beginne trotzdem mit der Herzdruckmassage. Weitermachen ist immer das Richtigere.
Wenn du nach einer Beatmung eine abgehackte oder schnappartige Reaktion siehst: Das ist keine normale Atmung. Weiter machen.
Wenn du einen Fremdkörper siehst, der direkt im Mund sichtbar ist, kannst du ihn vorsichtig entfernen. Nie blind mit dem Finger in den Mund wischen, das kann einen Fremdkörper tiefer schieben. Siehst du nichts, sofort weiter beatmen.
Ein kurzer Sicherheitshinweis, weil er immer wieder auftaucht: Das Heimlich-Manöver ist bei Säuglingen unter einem Jahr verboten. Es kann die Leber verletzen. Bei Säuglingen gilt im Fremdkörper-Notfall: Rückenschläge und Brustkompressionen. Mehr dazu: Was bei einem Fremdkörper in den Atemwegen des Babys zu tun ist.
Herzdruckmassage beim Baby
Nach den fünf Beatmungen beginnt die Herzdruckmassage.
Druckpunkt: Die untere Hälfte des Brustbeins, etwas unterhalb der gedachten Linie zwischen den beiden Brustwarzen. Nicht auf dem Bauch, nicht zu weit oben.
Zwei-Finger-Technik für einen Helfer allein: Zeige- und Mittelfinger nebeneinander auf den Druckpunkt legen.
Drucktiefe: etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe. Das klingt abstrakt und fühlt sich beim ersten Mal nach viel an. Die Tiefe ist trotzdem korrekt und notwendig. Nach jeder Kompression den Brustkorb vollständig entlasten, also den Druck kurz wegnehmen, damit das Herz sich wieder füllen kann.
Frequenz: 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Das ist schneller als man intuitiv denkt, zwei Kompressionen pro Sekunde als grober Richtwert.
Ablauf: 30 Kompressionen, dann 2 Beatmungen, dann wieder 30 Kompressionen.
Wenn ihr zu zweit seid oder du geübt bist: Die Zwei-Daumen-Technik ist effektiver. Beide Daumen nebeneinander auf den Druckpunkt, die Hände umfassen den Brustkorb des Babys von beiden Seiten. Das Verhältnis bei Geübten beträgt dann 15 Kompressionen zu 2 Beatmungen.
30 Drücken, 2 Beatmen, immer weiter
30 Kompressionen, 2 Beatmungen. Dann wieder von vorne. Ohne Pause, ohne Unterbrechung.
Bis der Rettungsdienst übernimmt. Oder bis das Baby wieder normal atmet.
Nicht aufhören, weil du erschöpft bist. Nicht aufhören, weil du Angst hast, etwas falsch zu machen. Weitermachen ist immer das Richtige. Eine nicht perfekte Reanimation ist besser als keine. Und die Leitstelle korrigiert dich, wenn nötig.
Wenn das Baby sich bewegt, die Augen öffnet oder anfängt normal zu atmen: Reanimation stoppen. Baby in die stabile Seitenlage bringen, Atmung weiter beobachten, und die Leitstelle informieren. Bleib in der Leitung.
Dieser Moment, in dem du weißt, was zu tun ist, entsteht nicht beim Lesen allein. Er entsteht, wenn die Hände es einmal gemacht haben. Wer die Kompressionen einmal am Modell gespürt hat, die Beatmung einmal geübt hat, ist in der Situation anders. Nicht mutiger, aber schneller. Der Online-Kurs von richtig-helfen.com – Erste Hilfe für Kind und Säugling* ist auch bei knapper Zeit machbar. Mit dem Code MamaModern10 bekommst du Rabatt.
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Was danach passiert
Wenn der Rettungsdienst übernimmt oder das Baby wieder normal atmet: Baby in die stabile Seitenlage bringen und die Atmung weiter beobachten. Die Leitstelle bleibt in der Leitung und gibt dir weitere Anweisungen bis der Rettungsdienst vor Ort ist.
Nach einer Reanimation wird das Baby immer ärztlich untersucht. Auch wenn es sich vollständig erholt zu haben scheint. Was im Körper passiert ist, lässt sich von außen nicht vollständig beurteilen, das ist die Aufgabe der Ärztin oder des Arztes.
Wenn die Reanimation nicht zur Erholung geführt hat, liegt das Weitere beim Rettungsdienst und beim medizinischen Team. Du hast getan, was zu tun war.
Wenn du nach einem Sturz oder einem Unfall Bewusstlosigkeit beim Baby feststellst und nicht sicher bist, was die Ursache ist, findest du hier mehr: Baby vom Wickeltisch oder Sofa gefallen.
Den vollständigen Überblick über alle Erste-Hilfe-Situationen beim Baby findest du in den vollständigen Überblick über alle Erste-Hilfe-Situationen beim Baby.
Wer gehandelt hat, hat das Richtige getan. Was jetzt kommt, liegt bei anderen.
Du musst nicht alles können. Du musst nur anfangen.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass ich mit der Wiederbelebung beim Baby beginnen muss?
Wenn das Baby auf Ansprechen und Berühren nicht reagiert und nicht normal atmet, beginne sofort mit der Wiederbelebung und ruf gleichzeitig 112. Schnappatmung gilt als kein Atemzeichen und ist ein Notfall. Atmet das Baby normal, bringst du es in die stabile Seitenlage und beobachtest die Atmung.
Warum kommen beim Baby zuerst fünf Beatmungen, nicht sofort die Herzdruckmassage?
Bei Babys und Kleinkindern entsteht ein Herz-Kreislauf-Stillstand meistens durch Sauerstoffmangel, zum Beispiel durch Atemstillstand oder Fremdkörper. Deshalb hat die Sauerstoffversorgung Vorrang. Die fünf Initialbeatmungen geben dem Baby sofort Sauerstoff, bevor die Herzdruckmassage beginnt. Bei Erwachsenen ist der Kreislaufstillstand häufiger durch einen Herzinfarkt bedingt, weshalb dort sofort gedrückt wird.
Was mache ich, wenn ich allein bin und das Handy nicht in Reichweite ist?
Führe zuerst etwa eine Minute CPR durch, das entspricht ungefähr zwei vollständigen Zyklen aus Beatmungen und Herzdruckmassage. Dann unterbreche kurz für den Notruf und beginne danach sofort wieder. Wenn möglich: Handy auf Lautsprecher legen und 112 in Reichweite halten, damit du beide Hände frei hast.
Muss ich Angst haben, das Baby zu verletzen, wenn ich die Herzdruckmassage durchführe?
Nein. Die notwendige Drucktiefe von etwa einem Drittel der Brustkorbtiefe fühlt sich beim ersten Mal nach viel an. Sie ist trotzdem korrekt und notwendig. Eine nicht perfekte Reanimation ist immer besser als gar keine. Die Leitstelle korrigiert und begleitet dich, wenn nötig.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs und keine ärztliche Beurteilung. Im Notfall immer zuerst 112 wählen. Die Leitstelle leitet dich durch die Maßnahmen.
Quellen:
Deutsches Rotes Kreuz: Wiederbelebung bei Kindern und Säuglingen
German Resuscitation Council (GRC): Reanimationsleitlinien 2025
Kinderärzte im Netz (BVKJ): Herz-Kreislauf-Stillstand beim Kind

Vierfache Mama, davon Zwillinge mit 41. Ich schreibe über das, was ich selbst durchlebt habe, und was mir damals wirklich geholfen hätte.

